_FONTLOADER_

Eggert sagt niemals nie

Der Ilsenburger kann sich eine Rückkehr auf die Bahn vorstellen – unter einer Bedingung.

Von Daniel Hübner

Neun Wochen lang hat Toni Eggert an seinem neuen Arbeitsort gelebt, seit dem 1. November hat er in Lake Placid die Rodler der USA trainiert. Er hat sich in einer Pause auch mal den Luxus gegönnt, den Adirondack Park, das größte Naturschutzgebiet in Übersee, fliegend zu bereisen. Der Park ist 24.000 Quadratmeter groß, seine höchste Erhebung ist der Mont Marcy mit 1.629 Metern. „Man fliegt zwei Stunden geradeaus nur über Wald. Es ist eine krasse, beeindruckende Landschaft“, berichtete Eggert.

Grundsätzlich aber verbrachte er wie einst als aktiver Athlet seinen Alltag an der Bahn. „Ich stelle jeden Tag Schlitten ein, ich schleife die Schienen, ich gebe Tipps an der Bahn und zur Starttechnik“, beschrieb der Assistent von Cheftrainer Lubimor Mick seinen Job. „Aber die anstrengendste Zeit ist nun vorbei.“

Der Weltcup-Zirkus zieht nämlich nach seinen beiden Rennen in Übersee nun weiter nach Europa. Am vergangenen Montag ist Eggert zurückgekehrt in die Heimat, um in Ilsenburg mit seiner Eliza, die den Rodelnachwuchs Sachsen-Anhalts trainiert, und der Familie Weihnachten zu feiern. Um Ruhe und Kraft zu tanken, um vielleicht mal in die Werkstatt zu gehen und nach seinem jüngsten Eigenbau zu schauen, den er dort im August abgestellt hat. Eggert und Sozius Sascha Benecken hatten ihr Karriereende verkündet – nach Bronze und Silber bei Olympischen Spielen sowie nach elf Weltmeistertiteln im Doppelsitzer. Das kam für viele überraschend. Und für Eggert selbst nicht ganz freiwillig.

Ein Jahr zuvor, im Zuge der Schlittenbaureform des Weltverbandes Luge, da stand das Duo schon einmal vor dem Rücktritt. Und entschied sich letztlich, ein völlig neues Gerät zu basteln, mit dem es sich letztlich in Oberhof bei der Heim-WM drei Titel sicherte. Doch Benecken hatte längst andere Pläne fürs Leben nach dem Rodeln geschmiedet, die er für die Spiele in Mailand 2026 nicht mehr aufschieben wollte. „Ich hatte selbst ein, zwei Ideen im Kopf, um weiterzumachen“, berichtete Eggert. Doch dann kam das Angebot aus Übersee, in ein Trainerdasein zu wechseln.

Und es ist eine gute Aufgabe für einen Einsteiger. Die US-Athleten gehören nicht zur absoluten Weltspitze, sie rauschen ihr aber auch nicht weit hinterher. „Während bei anderen Nationen der Aufbau zehn Jahre dauern würde, bis sich der Erfolg einstellt, geht es hier einfach um den Feinschliff“, so Eggert. Der hat sich für den Doppelsitzer mit Zachary Di Gregorio und Sean Hollander bereits gelohnt: Beim Weltcup auf der Heimbahn in Lake Placid fuhr das Duo zum Sieg.

„Coole Lösung“ am Königssee

Die Amerikaner profitieren natürlich von der ungemeinen Erfahrung Eggerts im Eiskanal und im Schlittenbau. „Sie erhoffen sich einiges von meiner Arbeit“, weiß auch der 35-Jährige. Manchmal allerdings kommt während seiner Arbeit Wehmut auf: „Natürlich ist es für mich schwierig, den anderen Athleten jetzt bei den Wettbewerben zuschauen zu müssen.“

Es gibt durchaus die Option für Eggert, noch einmal selbst in den Eiskanal zurückzukehren. Die Möglichkeit ist nicht sonderlich groß, sie ist vielleicht bis Ende Januar auch auf null geschmolzen, wenn die Italiener ihren Plan vom Glück für die Schlittenwettbewerbe bei den Winterspielen 2026 verkündet haben. Ob sie nun die stillgelegte Bahn in Cesana reanimieren oder die Wettkämpfe nach Innsbruck-Igls verlegen oder an einen anderen Standort, der Bob-, Skeleton- und Rodelwettbewerbe ausrichten kann.

Wie Berchtesgaden. Der Eiskanal am Königssee wird nach seiner Zerstörung durch einen Erdrutsch neu aufgebaut und soll bis Herbst 2025 dem Rennsport zugänglich gemacht sein. „Am Königssee“, sagt Eggert, „gibt es viele Chancen auf Medaillen, keiner kennt die Bahn besser als wir Deutschen.“ Eggert und Benecken sind dort 2021 Weltmeister geworden. Berchtesgaden wäre also „eine coole Lösung“ und eine Überlegung wert, seine dritten Spiele anzugehen. Toni Eggert sagt jedenfalls niemals nie.