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Sorge um Rückgang der HIV-Tests in der Corona-Pandemie

Morgen ist der Welt-Aids-Tag / Etwa 55 Neuinfektionen im vergangenen Jahr in Sachsen-Anhalt

Der Landesgeschäftsführer der Aids-Hilfe Sachsen-Anhalt, Sven Warminsky, ist besorgt über die deutlich geringere Zahl von HIV-Tests in der Corona-Pandemie. „Es wird nach wie vor weniger getestet“, sagte Warminsky in Magdeburg. Die Gesundheitsämter hätten ihre Angebote in der Corona-Pandemie teils eingeschränkt, zudem scheuten viele den Weg zum Arzt. Je höher die Corona-Zahlen seien, desto weniger werde auf HIV und Geschlechtskrankheiten getestet. Die jüngsten Zahlen des Robert-Koch-Instituts, die auf weniger HIV-Ansteckungen hindeuten, halte er für trügerisch, sagte Warminsky.
In der Pandemie hätten die Menschen seiner Einschätzung nach aber nicht weniger Sex, sagte Warminsky. „Viele kommen erst zu uns, wenn es weh tut.“ Die Aids-Hilfen in Magdeburg und Halle bieten HIV-Tests und Tests auf Geschlechtskrankheiten an.

Das RKI schätzt jüngsten Angaben zufolge die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland im Jahr 2020 auf 2000. Damit wäre das Niveau von Anfang der 2000er Jahre erreicht. Auch das RKI wies auf den Vorbehalt hin, dass weniger Tests in Anspruch genommen worden seien. Es sei möglich, dass die Zahlen einen Rückgang von Neuinfektionen nur vortäuschten.

Für Sachsen-Anhalt geht das RKI von etwa 55 HIV-Neuinfektionen im vergangenen Jahr aus. Geschätzt lebten rund 1080 Menschen mit HIV oder Aids im Land, 860 mit einer HIV-Diagnose. Das Landesamt für Verbraucherschutz hat 49 HIV-Neuinfektionen für das Jahr 2018 ausgewiesen, 2019 waren es 71.

Erweitertes Angebot

in Magdeburg

In der Landeshauptstadt gibt es laut Sven Warminsky seit dem 1. Juni ein erweitertes Angebot: Neben den Tests können sich die Betroffenen im Checkpoint von einem Arzt behandeln lassen. Seines Wissens gebe es so ein Angebot bislang nur noch in Berlin, sagte Warminsky. Pro Monat nähmen etwa 50 Menschen das Angebot in Magdeburg wahr und ließen sich auf HIV sowie auf Geschlechtskrankheiten wie Syphilis, Tripper, Chlamydien oder Hepatitis testen. In Halle gebe es das Angebot bislang nicht.

Warminsky wies darauf hin, dass in der Corona-Pandemie auch die Prävention zu kurz komme. Als die Schulen geschlossen gewesen seien, habe die Aids-Hilfe zwar schnell auf Online-Veranstaltungen umgestellt. In der Summe seien aber weniger Menschen erreicht worden. Prävention reiche eben bis zu den Infoangeboten in Kartenständern von Kneipen. „Das Sichtbarmachen des Themas ist einfach schwieriger“, sagte Warminsky.